2

Ich war im September für ein paar Tage in Portugal, genauer gesagt an der Algarve. Der September ist eine gute Reisezeit, da hier das Wetter noch sehr mild und sonnig sein kann und die Region auch nicht mehr so von Touristen überlaufen ist. Abends kann es aber sehr kühl werden und auch tagsüber, wenn sich die Sonne nicht zeigt; also auf jeden Fall Jacke, lange Hosen und Pulli mitnehmen. Leider hatte ich Pech mit dem Wetter, so daß fast die ganze Zeit über Windjacke und Regenschirm meine Begleiter waren. Sehr ärgerlich, denn die Woche vor meiner Ankunft war mit Sonnenschein nonstop gesegnet. Der Wettergott hat es diesmal nicht gut mit mir gemeint. Wenn sich dann aber mal die Sonne blicken ließ, wurde es richtig warm, so daß ich einen Strandtag einlegen konnte und ein paar Mal meine tollen neuen Blumenshorts anziehen konnte. Yeah! Ich habe mich aus Kostengründen für einen Flug mit Ryan Air von Frankfurt/Hahn nach Faro entschieden. Warum sich dieser Flughafen am Arsch der Ella Frankfurt/Hahn nennen darf ist mir bis jetzt ein Rätsel. Und ich mache das wirklich nie wieder. Lieber lege ich noch etwas Geld drauf und reise entspannt und komme ausgeruht an. Für junge Studenten und Abenteurer mag das super sein. Aber ich bin zu alt für diesen Scheiß und möchte, wenn ich aus dem Flugzeug steige, einfach nur ins nächste Taxi und ab nach Hause.

Ich wäre lieber in einer süßen, kleinen Pension abgestiegen, da ich aber sehr kurzfristig gebucht habe, habe ich ein Pauschalangebot in Anspruch genommen. Abgesehen vom Flug war die Übernachtung im 4-Sterne-HotelVal D’El Rei“ plus Frühstück vorgesehen. Im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung, denn so konnte ich abends im Hotel oder am Frühstückstisch meine Routen für den kommenden Tag planen und außerdem ist das Hotel wirklich schön, extrem nette Angestellte und einen Spa-Bereich gibt es dort auch. Das Hotel liegt in Carvoeiro zwischen Portimão und Albufeira, ca. 1 Stunde vom Flughafen Faro entfernt. So waren auch alle von mir angepeilten Ziele gut mit dem Mietwagen zu erreichen. Wer Party oder lange, durchzechte Nächte sucht, ist hier aber falsch. Das war mir aber ganz Recht, da ich entspannen und Portugal nüchtern erleben wollte. Ein schönes Hotel! Unten seht ihr ein paar Photos.

14235687

Lagos, mein persönliches Ende der alten Welt und Cabo de São Vicente

Nachdem ich mich über das Frühstücksbuffet wie eine Horde Heuschrecken gemacht hatte, wollte ich so schnell wie möglich ans Wasser und Hafenluft schnuppern. Mein erster Stopp also: Lagos. Hier bin ich erstmal vollkommen planlos durch die Stadt gelaufen und war anfänglich mittelschwer enttäuscht. Wahrscheinlich hätte ich mich besser vorbereiten sollen, denn ich wusste irgendwann auch nicht so recht, was ich mir da gerade alles ansehe. Als ich aber meinen zweiten Kaffee hinter mir hatte – ihr müsste den leckeren Galão bestellen – und die Sonne auch mal Hallo sagte, sah die Welt schon etwas rosiger aus. Ihr solltet einfach mal durch die Stadt schlendern. Verlaufen kann auch lustig sein… Durch Zufall bin ich so in eine Markthalle gestolpert und habe ein paar Streetart Pieces gefunden. Berühmte Sehenswürdigkeiten in Lagos sind außerdem: die Altstadt mit vielen kleinen Geschäften, der historische Sklavenmarkt (Mercado de Escravos) und ein Denkmal für Heinrich den Seefahrer (Infante D. Henrique). Woah, ok war nicht so berauschend.12 35 7 8 69 1314 15

So wo ist denn nun die unglaubliche Algarve mit ihren Schönheiten? Wilde Steilküsten mit unzähligen Grotten und malerischen Felsformationen. Einsame Buchten und Naturgewalten? Nicht in Lagos, aber ich habe sie gefunden, die Schönheit der Natur, die Faszination der Algarve. Mein persönliches Ende der alten Welt. Das weiße Rauschen. Der endlose Horizont. Mutter Natur hat mich liebevoll umarmt und Ruhe schlich sich in mein Herz. Fragt mich nicht, wie ich diesen Ort gefunden habe. Ich weiß noch, dass ich irgendwo in eine holprige Schotterstrasse abgebogen bin, die eigentlich nur für den Forstverkehr gedacht ist und es ging sicherlich gefühlte drei Stunden nur gerade aus über Stock und Stein. Langsam wurde ich etwas nervös. Was wenn mir das Auto jetzt verreckt und ich hier mitten im Nirgendwo hängen bleibe? Aber dann war es wie im Film. Als ich über den nächsten Hügel fuhr erstreckte sich vor mir eine wilde Ebene und dahinter lag das Meer. Ich kann kaum beschreiben, wie schön und berührend dieser Anblick war.12 3 4 5

Schweren Herzens verließ ich diesen wunderschönen Ort, denn auf meiner Liste stand noch das wahre Ende Europas: Cabo de São Vicente – der südwestlichste Punkt des europäischen Festlands. Danach kommt lange Zeit erstmal nur Wasser. Ein wenig konnte ich nachfühlen, wie sich die Menschen damals gefühlt haben mussten. Hier war ihr Ende der Welt und mit dem damaligen Wissen, gab es einfach nichts mehr außer Wellen, Meer und Möwen. Vielleicht noch ein paar Seeungeheuer. Komisches Gefühl. Cabo de São Vicente ist ein seltsamer Ort voll mit Touristen, Ständen und einer deutschen Imbissbude. „Letzte Bratwurst vor Amerika“. Kann man gesehen, muß man nicht gegessen haben. Mir hat es trotzdem ganz gut gefallen. Ungehobelt charmant und etwas rauh und magisch. Mag ich.12 34

Weiter geht’s nächste Woche mit: Monchique, eine Wanderung und ein zauberhafter Olivengarten