Diorama Ausstellung

 Diorama Ausstellung in der Schirn und im Senckenberg Museum – Fast schöner als die Realität

Bevor ich euch in die fantastische Welt der Dioramen entlasse, solltet ihr so ein paar Hardfacts mitnehmen. Erstens kann man bei einem romantischen Museumsbesuch zu zweit mit nerdigem Wissen punkten, zweitens entfaltet sich ein Diorama in voller Schönheit und Pracht, wenn man des Aufwandes und der Historie gewiss ist. Das ist aber meist mit allen Kunstwerken so – zumindest für mich.

Diorama Wissen – 7 schnelle Fakten

  1. Das Wort Dioarama (Plural: Dioramen) kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie durchschauen, hindurchsehen, durchschimmern. Dia = hindurch und Horama = Anblick.
  2. Das erste Diorama geht auf den französischen Maler Louis Daguerre zurück, der im 19. Jahrhundert eine Art abgedunkelten, beidseitig bemalten Schaukasten und beleuchteten Schaukasten baute.
  3. Ein Diorama versucht historische und religiöse Ereignisse, Geschichten und Lebensräume scheinbar wirklichkeitsgetreu darzustellen.
  4. Die nachgestellten Szenen und Lebensräume stehen vor einem halbrund bemalten Hintergrund, der eine Tiefe des Raums suggeriert.
  5. Dioramen haben sich als Präsentationsform in Naturkunde Museen durchgesetzt und bestehen hier fort, wie z.B. im Senckenberg Museum in Frankfurt.
  6. Die Konzeption, die Erstellung und der Aufbau eines Diorama kann bis zu einem Jahr dauern, beschäftigt sind bis zu 30 Personen. Darunter Maler, Handwerker und natürlich (bei den wissenschaftlichen Dioramen) die Tier-Präparatoren.
  7. Das weltweit größte Diorama steht in Disneyland in Kalifornien und stellt den Grand Canyon dar. Es wurde 1958 eröffnet und ist über 90 m lang und 10 m hoch.

Eine Ausstellung über das Diorama ist auch eine Ausstellung über das Ausstellen. Jeder Versuch seine Geschichte zu erzählen, führt zu den Anfängen des Ausstellungswesens im Kontext der ersten Massenvergnügungen und optischen Erfindungen.

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Diorama – Die Idee des inszenierten Sehens

Seit dem 6. Oktober und bis zum 21. Januar 2018 könnt ihr euch die Diorama Ausstellung in der Schirn noch anschauen. Ebenfalls sind die Dioramen im Senckenberg Museum zu sehen; diese als Teil der ständigen Exponate.

Ich empfehle euch einen vorherigen Besuch der Dioramen im Senckenberg Museum, um einen ganzheitlichen Blick auf die Geschichte und die Entstehung zu erlangen.

Diorama Ausstellung Diorama Ausstellung

Im Gegensatz zum Senckenberg Museum setzt die Schirn die Diorama Ausstellung in den Kontext des kulturgeschichtlichen Sehens. Das Diorama setzt die menschliche Kenntnis der Welt in Szene, nicht ohne dabei die Wahrnehmung des Betrachters zu beeinflussen und nachhaltig herauszufordern. Die Ausstellung ist die erste umfassende Untersuchung zum Diorama und thematisiert sowohl die unterschiedlichen Entstehungsgeschichten der Präsentationsform als auch Wechselwirkungen und parallelen zeitlichen Entwicklungen. Bis heute ist das Diorama eine wesentliche Inspirationsquelle: Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts setzen sich in ihren Arbeiten mit dem inszenierten Sehen auseinander, indem sie das Diorama und die Illusion einer Wirklichkeit hinterfragen und auflösen.

Schirn Podcast – Eintauchen in die perfekte Illusion

Obwohl das Diorama eine jahrhundertelange Inszenierung des ‚Schauens‘ verkörpert, bildet es noch immer einen blinden Fleck in unserer Kulturgeschichte. Die Ausstellung ist die erste breit angelegte Untersuchung zu diesem Thema und verknüpft die verschiedenen Herkunftsstränge des Dioramas miteinander.

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Philipp Fürhofer – [dis]connect

Im Rahmen der Ausstellung „Diorama. Erfindung einer Illusion“ wird der Maler und Bühnenbildner Philipp Fürhofer vom 9. November 2017 bis 21. Januar 2018 seine neue, raumgreifende Arbeit [dis]connect in der Rotunde der Schirn präsentieren.

Mit seiner eigens für die Schirn-Rotunde entwickelten Installation [dis]connect verwandelt der Künstler den Rundbau in einen Raum der Illusion. Dabei zitiert er die optisch-mechanische Schaubühne, die Louis Daguerre 1822 in Paris eröffnete. Fürhofers Installation besteht aus zwei Spiegeldecken, die sich übereinander je auf Höhe der beiden oberen Etagen der Rotunde befinden. Unter Einsatz von Licht lässt Fürhofer zwei unterschiedliche Raumsituationen entstehen. Der untere, semi-transparente Spiegel erscheint bei Beleuchtung des Bodens der Rotunde wie eine über den Köpfen der Besucher eingezogene Decke, die den Raum optisch verkleinert. Wechselt das Licht in den oberen Rotundenbereich, wird der untere Spiegel durchlässig und gibt den Blick in den ganzen Rundbau frei. Im Zusammenspiel mit dem oberen Spiegel ergibt sich eine optisch unendliche Vervielfachung der Architektur.

  • Diorama Ausstellung – Erfindung einer Illusion
  • in der Schirn (bis 21. Januar 2018) und im Senckenberg Museum (dauerhaft)
  • Schirn Kunsthalle Frankfurt, Am Römerberg, 60311 Frankfurt
  • Naturkunde Museum Senckenberg, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt
Philipp Fürhofer. [dis]connect, © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2017, Foto: Norbert Miguletz
Philipp Fürhofer. [dis]connect, © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2017, Foto: Norbert Miguletz